Der DAX gilt als Spiegelbild für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. In unserer Rubrik „Wissen“ stellen wir Ihnen jene 30 Konzerne vor, deren Wertpapiere aktuell im deutschen Leitindex vertreten sind. Heute: Beiersdorf AG.

Was ist das? Sie ist schneeweiß und geschmeidig, duftet nach Maiglöckchen, Flieder und Rosenblüten und so gut wie jeder hat sie schon einmal benutzt. Wer noch einen weiteren Tipp nötig hat, sollte an die blaue Blechdose denken, in der sie ausgeliefert wird: die Nivea-Creme. Seit 1911 stellt Beiersdorf die selbst entwickelte Emulsion her, seit 1925 dienen die charakteristischen weiß- blauen Tiegel als Verpackung. Sie stehen rund um den Erdball in den Badezimmerschränken. In ganz Europa, in Australien oder in Mexiko, wo sogar besonders große Familientiegel erhältlich sind.

Doch die weiße Allzweckcreme ist nur eines von mehr als 500 Pflege-Produkten aus der Nivea-Serie, die vom Babyöl bis zur Anti-Falten- Creme reicht. Und Nivea ist wiederum nur eine der weltweit erfolgreichen Kosmetik-Marken unter dem Dach der Beiersdorf AG. Labello, das Deo 8x4 oder die Cremes Eucerin und Florena zählen genauso zum Konzernteil „Consumer“. Begonnen hat die Geschichte von Beiersdorf jedoch mit Klebstoffen, genauer gesagt mit Pflastern, auf die der Apotheker Paul C. Beiersdorf 1882 ein Patent anmeldete. Auch heute stellt der zweite große Konzernteil „Tesa“ neben dem namensgebenden Klebefilm noch unter dem Namen „Hansaplast“ Wundverbände her.

2008 lief es für das Hamburger Unternehmen trotz der angespannten Wirtschaftslage sehr gut. Das Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr betrug wechselkursbereinigt 7,5 Prozent. Der Jahresüberschuss stieg um 125 Millionen Euro auf nun 567 Millionen Euro. Dabei schnitt die Kosmetik- und Pflegeprodukte-Sparte „Consumer“ deutlich besser ab als der Bereich „Tesa“. Dort stagnierte der Umsatz, außerdem sank das betriebliche Ergebnis um knapp acht Prozent.

Der Absatz von Klebstoffen litt besonders unter der allgemeine Flaute der Automobilindustrie. Hier stellt „Tesa“ beispielsweise das Isolierband für Kabelstränge her oder liefert Hilfsmaterial zum Abdecken für die Lackierarbeiten. Zu Beginn des Jahres musste im Hamburger Tesa-Werk wegen der schlechten Auftragslage auf Kurzarbeit umgestellt werden. 420 Mitarbeiter sind von der Maßnahme betroffen.

Gerüchten zum Trotz stehe ein Verkauf von Tesa jedoch nicht zur Disposition, betonte Finanzvorstand Berhard Düttmann vor wenigen Wochen. „Tesa ist profitabel und hat hervorragende Perspektiven“, sagte er in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Die getrübten Aussichten für das Jahr 2009 schlagen sich allerdings auch bei Beiersdorf nieder. Auf der Bilanzpressekonferenz dämpfte der Vorstand die Erwartungen für das laufende Jahr. „Wir erwarten, dass die Auswirkungen der schwachen konjunkturellen Entwicklung auf den Konsum erst mit einer Verzögerung zu sehen sein werden“, sagte der Vorsitzende des Beiersdorf-Vorstandes Thomas Quaas.

Auch die Analysten geben sich derzeit eher zurückhaltend optimistisch. Dennoch rät die überwiegende Zahl der Meinungen, die von Aktiencheck auf ARIVA.DE veröffentlicht werden, zum Kauf der Aktie (eine Übersicht sehen sie hier). Auch wenn ihnen eine Prognose der zukünftigen Entwicklung schwierig fällt, gehen viele Experten doch davon aus, dass die Aktie sich auch weiterhin besser als der Markt behaupten wird.

Die lange angestrebte Aufnahme von Beiersdorf in den DAX, die im vergangenen Dezember erfolgte, hat die Aktie für Anleger noch attraktiver gemacht. Das spiegelt sich auch im Derivateangebot auf diesen Basiswert wieder. Konnten Anleger kurz vor dem Aufstieg in die Königsklasse der deutschen Unternehmen (ZertifikateAnleger 25/2008) noch zwischen 750 verschiedenen Produkten wählen, umfasst die Palette mittlerweile 1052 unterschiedliche Zertifikate. Klicken Sie für eine Übersicht aller Derivate auf den Basiswert Beiersdorf hier.

Dass der Hamburger Konzern trotz mehrerer Anläufe nicht schon früher den Sprung in den DAX geschafft hat, liegt auch daran, dass nur gut 32 Prozent der Aktien frei an der Börse gehandelt werden, der Rest befindet sich in Festbesitz. Hinsichtlich des DAX ist allerdings die Marktkapitalisierung der handelbaren Aktien ausschlaggebend sowie deren Umsatz an der Börse.

Mehr als die Hälfte der Beiersdorf Anteile gehört der maxingvest AG der Familie Herz, einer der reichsten Familien Deutschlands. Zu dieser Holding gehört ebenfalls der Hamburger Kaffeeröster Tchibo, der nach dem Zweiten Weltkrieg von Max Herz gegründet wurde.



Britta Voß, 17.03.09 Dieser Artikel wurde 3268mal gelesen.