Der deutsche Leitindex DAX gilt als Spiegelbild für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. In unserer Rubrik „Wissen“ stellen wir Ihnen jene 30 Konzerne vor, deren Wertpapiere aktuell im DAX vertreten sind. Heute: Volkswagen AG.

Es kann sich wohl wirklich niemand bei Volkswagen darüber beschweren, dass das Unternehmen in letzter Zeit zu selten in den Schlagzeilen gewesen sei. Womöglich wäre es den Verantwortlichen aber doch lieber gewesen, häufiger einmal gute Neuigkeiten zu verkünden. Doch in Zeiten der Krise sind die Nachrichten eines stark vom Absatz abhängigen Konzerns eben selten besonders gute. Kurzarbeit hieß es Ende Januar im Stammwerk Wolfsburg, sowie in vier weiteren Außenstellen. Leiharbeiter wurden entlassen, beim Tochterunternehmen Audi standen die Fließbänder zwischenzeitlich vollkommen still.

Zur schlechten Lage, mit der die gesamte Automobilindustrie derzeit zu kämpfen hat, belasten noch weitere Querelen den Konzern. Allen voran: die schleichende Übernahme durch die Porsche AG.

Die Zuffenhausener haben beharrlich ihre Anteile am Volkswagen-Konzern erhöht. Im März 2007 überschritten sie die Marke von 30 Prozent Anteilsbesitz und mussten den Aktionären laut Gesetz ein Pflichtangebot für die Übernahme ihrer Aktien unterbreiten. Damals verkündete Porsche-Chef Wendelin Wiedeking allerdings noch, dass eine vollständige Übernahme nicht das Ziel sei. Dementsprechend gering fiel das Angebot an die Aktionäre aus, kaum einer veräußerte damals seine Anteile zu diesem Preis.

Doch trotz Wiedekings Worten hamsterte sich Porsche weiter Stücke vom großen Volkswagenkuchen zusammen. Im September 2008 gehörten mehr als 35 Prozent der Wolfsburger Autoschmiede zu Porsche. Damit galt Volkswagen nun auch vor dem Gesetz als offizielle Tochtergesellschaft. Der Sportwagenhersteller aus Stuttgart sicherte sich aber auch danach weiter im Hintergrund VW-Anteile - und sorgte damit für einen kuriosen Tag an den Börsen.

Am 28. Oktober des vergangenen Jahres verdoppelte sich der Kurs der Volkswagen-Aktie innerhalb weniger Stunden. Höchststand an diesem Tag: sagenhaften 1005,61 Euro. Mit diesem Börsenwert war Volkswagen für kurze Zeit sogar das teuerste Unternehmen der Welt.

Wie kam es zu dieser kuriosen Preisexplosion? Viele Spekulanten waren so genannte Leerverkäufe eingegangen. Hierbei leihen sie sich für eine bestimmte Zeit eine Aktie, um damit auf fallende Kurse zu setzten. Der Haken bei diesem gewagten Geschäft: Am Ende muss die geliehene Aktie wieder an den Leihgeber zurückgegeben werden.

Als Porsche nun unerwartet mitteilte, sich über Optionen einen Großteil an den noch verfügbaren Volkswagen-Aktien gesichert zu haben, gerieten die Händler in die Bredouille. Plötzlich war klar, dass viel weniger Anteile auf dem Markt verfügbar waren, als ursprünglich gedacht. Das große Wettrennen nach verbliebenen VW-Papieren begann und die Händler zahlten Preise, die ein Vielfaches über dem eigentlichen Wert lagen, um ihre geliehenen Aktien zurückgeben zu können.

Dass Porsche dennoch nicht das volle Sagen in Wolfsburg hat, liegt an einer Besonderheit, die auch der Europäischen Union schon lange ein Dorn im Auge ist: das fast 50 Jahre alte VW-Gesetz. Es besagt, dass kein Aktionär mehr als 20 Prozent der Stimmrechte ausüben darf, egal, wie viele Anteile er tatsächlich hält. Mit dieser Regelung wollte man das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg vor feindlichen Übernahmen schützen und verhindern, dass ein Investor die Verlagerung vom Standort Wolfsburg weg durchsetzten kann. Das liegt insbesondere im Interesse des Landes Niedersachsen, das auch heute noch zwanzig Prozent der VW-Aktien hält – und somit Porsches größter Gegenspieler in den Unternehmensgremien ist.

Doch verglichen mit vielen anderen Herstellern aus der Automobilbranche ist Volkswagen bisher recht gut durch die Krise gekommen. Während sich etwa der Wert von Daimler oder BMW in den letzten zwölf Monaten nahezu halbiert hat, konnten die Wolfsburger sogar zulegen. Am Montag gab der Konzern die Zahlen für 2008 bekannt, die sich angesichts der Umstände sehen lassen können: Ein Gewinn von 6,3 Milliarden Euro, das sinddrei prozent mehr als noch im Vorjahr.

Die jüngsten Maßnahmen der Regierung kurbeln die Geschäfte nun zusätzlich an. Gelockt durch die Abwrackprämie haben sich 120.000 Deutsche im Februar für einen neuen Volkswagen entschieden - ein Rekordabbsatz im Inland.

Doch trotz dieser kleinen Erfolgsnachricht sprechen die längerfristigen prognosen nicht unbedingt für den Kauf von Volkswagenanteilen. Die Meinung der Analysten, die durch Aktiencheck auf dem Börsenportal ARIVA.DE veröffentlicht werden, sind jedenfalls eindeutig: Alle Bankexperten raten derzeit wegen der schelchten Konjunkturaussichten einstimmig dazu, Volkswagenaktien abzustoßen.



Britta Voß, 03.03.09 Dieser Artikel wurde 3010mal gelesen.