Der Leitindex DAX gilt als Spiegelbild für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. In unserer Rubrik „Wissen“ stellen wir Ihnen die 30 Konzerne vor, deren Wertpapiere aktuell im DAX vertreten sind. Heute: Münchener Rück.

Nicht viele Unternehmensbosse zeigen sich wohl angesichts der Finanzkrise so optimistisch, wie Nikolaus von Bomhard. „Für Versicherer und Rückversicherer muss das nicht das Ende der Welt sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rück AG gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. „Nächstes Jahr könnte ein gutes Jahr für uns werden“.

Die Münchener Rück wurde 1880 gegründet und zählt heute gemeinsam mit der Swiss Re zu den größten Rückversicherungsgesellschaft der Welt. Rückversicherungen gelten häufig als die „Versicherung der Versicherung“. Sie übernehmen gegen eine Prämie Risiken von Erstversicherern. Tritt dann tatsächlich ein Schadensfall ein, dann zahlt die Rückversicherung Schadensersatz an die Erstversicherung, die wiederum den Kunden entschädigen kann, der ursprünglich die Versicherung abgeschlossen hat.

Das Prinzip der Reassekuranz entstand bereits vor Jahrhunderten, als italienische Reeder Versicherungen für ihre Schiffe abschließen wollten. Doch die Schiffe waren sehr wertvoll, viele Versicherungen konnten das Risiko allein nicht tragen. Also übertrugen sie einen Teil der Risiken auf eine andere Versicherung und sicherten sich selbst gegen einen Schadensfall ab.

Heikel wird es für die Rückversicherungen, wenn durch Naturkatastrophen oder andere schlimme Ereignisse plötzlich große Summen erstattet werden müssen. 1906 wird das Erdbeben in San Francisco die erste Bewährungsprobe für die Münchener Rück. Mit einer Stärke von 7,8 auf der Richter-Skala trifft ein Erdstoß die Metropole an der Westküste der USA. Mehr als 300 Menschen sterben unter den Trümmern und in den anschließenden Feuern, die in der ganzen Stadt wüten. Die Münchener Rück, die wenige Jahre zuvor in das Feuerversicherungsgeschäft in den USA eingestiegen war, muss elf Millionen Mark ersetzen.

Das teuerste Versicherungsereignis aller Zeiten war für die gesamte Versicherungsbranche der Hurrikan „Katrina“, der 2005 im Golf von Mexiko wütete und vor allem die US-Staaten Florida und Louisiana schwer traf. Zusätzlich zu den Böen, die bis zu 350 Stundenkilometer erreichten, überflutete der Sturm ganze Städte, vor allem New Orleans. Experten schätzten die volkswirtschaftlichen Schäden von „Katrina“ auf bis zu 125 Milliarden US-Dollar, die Münchener Rück musste davon etwa 1,6 Milliarden ersetzen. Noch höher ist die Summe, die der Rückversicherer nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center tragen musste. 2,6 Milliarden US-Dollar wurden hier erstattet.

Seit dem Hurrikanjahr 2005 wurde die Münchener Rück allerdings nur durch moderate Schäden belastet und konnte seinen Jahresüberschuss stetig steigern. 2004 änderte das Unternehmen seine Dividendenpolitik. Die Ausschüttungen orientieren sich seitdem stärker an der Ertragssituation des jeweiligen Geschäftsjahres. Für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2007 wurde beispielsweise eine stattliche Dividende von 5,50 Euro pro Aktie ausgezahlt.

Doch auch an der Münchener Rück ist die Finanzkrise nicht spurlos vorbei gegangen. Da Versicherungsgesellschaften zu den größten Kapitalanlegern gehören, machten die stark gesunkenen Aktienkurse Abschreibungen notwendig. Dementsprechend gab das Unternehmen Anfang November die zweite Gewinnwarnung in diesem Jahr heraus. Trotzdem rät der überwiegende Teil der Analystenmeinungen, die von Aktiencheck auf ARIVA.DE veröffentlicht werden, zum Kauf der Aktie.

Denn auch die Erstversicherer haben durch die Börsenturbulenzen Kapital verloren, sind also eher dazu gezwungen, Risiken auf einen Rückversicherer auszulagern. Dementsprechend werden auch die Prämien für Rückversicherungen ansteigen. Die Schwäche anderer Versicherer will die Münchener Rück außerdem zur Expansion nutzen. Interessiert sind die Münchener vor allem an Teilen des Asiengeschäftes des schwer angeschlagenen US-Versicherers AIG.



Britta Voß, 09.12.08 Dieser Artikel wurde 3043mal gelesen.