In der Kategorie Wissen machen wir Sie seit drei Jahren mit wichtigen Fachbegriffen aus der Welt der Zertifi kate und der Finanzanlagen vertraut. Sehr häufig sind Indizes Basiswerte für derivative Finanzprodukte wie Zertifikate. Anlass genug, sie einmal genauer anzuschauen. In unserer Index-Serie stellen wir Ihnen die wichtigsten Börsenbarometer der Welt vor. Heute: die Osteuropa Indizes der Wiener Börse.

Österreich ist das Tor zum Osten Europas. Schon kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wendete sich die Wirtschaft der Alpenrepublik besonders den ehemals sozialistischen Bruderstaaten zu. Handelskontakte wurden geknüpft und Investitionsprojekte gestartet, lange bevor die ersten Länder 2004 der Europäischen Union beitraten. Auch der Fokus der Wiener Börse ist ostwärts gerichtet. Sie berechnet eine Reihe von Börsenbarometern für den ehemaligen Ostblock, die Familie der Central Eastern Europe Indizes. Als beliebter Basiswert für Derivate ermöglichen sie es auch Kleinanlegern, vom wirtschaftlichen Nachholbedarf im Wilden Osten zu profitieren.

Bereits seit 1999 wird der CECE berechnet. Er umfasst alle Aktien, die in den drei Länderindizes CTX (Tschechien), HTX (Ungarn) und PTX (Polen) vertreten sind. Zurzeit sind das 27, die Anzahl der Werte ist aber nicht nach oben hin beschränkt. Der Index wird sowohl in Euro als auch in US-Dollar berechnet und ist ein Preisindex, bei dem Dividendenzahlungen keine Berücksichtigung finden.

Damit die Aktie eines Unternehmens in die Länderindizes und somit auch in den CECE aufgenommen wird, muss sie über eine ausreichende Marktkapitalisierung des Streubesitzes und eine hohe Liquidität verfügen. Ist beides der Fall, wird sie auf die Beobachtungsliste des Indexkomitees gesetzt. Es entscheidet zwei Mal pro Jahr über die Aufnahme neuer Kandidaten oder die Aussortierung von Indexmitgliedern.

Das Komitee besteht aus Vertretern und Mitgliedern der Wiener Börse, außerdem sitzen nicht stimmberechtigte wissenschaftliche Berater und Stellvertreter der Emittenten bei, die Produkte auf den CECE begeben haben. Bei besonderen Ereignissen, etwa einer Kapitalerhöhung eines Indexmitgliedes, können Änderungen durch einen Eilausschuss beschleunigt getroffen werden.

Die Gewichtung der Aktien innerhalb der Indizes erfolgt ebenfalls anhand der Marktkapitalisierung. Betrachtet wird allerdings nur der Streubesitz, also die frei am Markt verfügbaren Aktienanteile. In den Länderindizes darf ein Wert maximal 25 Prozent Anteil haben, im CECE liegt die Grenze bei 20 Prozent. Eine Prüfung der Gewichtung und der Berechnungsmethode erfolgt quartalsweise. Polen stellt mit 13 Unternehmen die meisten Werte im Index. Mit der PKO Bank Polski und der Bank Pekao stellen sie auch zwei der drei Schwergewichte im Index. Hinzu kommt der tschechische Kraftwerksbetreiber ČEZ.

Der CECE und auch die Länderindizes werden sowohl in Euro als auch in US-Dollar berechnet. In unserer Datenbank beziehen sich aktuell 183 Derivate auf die Euro-Variante des CECE, nur zwei auf den Dollar-Index. Alle Indizes werden während der Handelszeiten der Wiener Börse von 9.00 bis 17.00 Uhr MEZ berechnet. Innerhalb der letzten 52 Wochen konnte der CECE 16,52 Prozentpunkte zulegen. Damit lässt er den DJ Euro Stoxx 50 deutlich hinter sich, der im gleichen Zeitraum nur einen Zugewinn von 5,53 Prozent verzeichnen konnte.

Seinem großen Bruder in vielerlei Hinsicht ähnlich ist der South East Traded Index, kurz SETX. Er wurde 2005 aufgelegt und umfasst die Länderindizes von Slowenien, Kroatien, Rumänien, Serbien und Bulgarien. Die grundsätzlichen Berechnungs- und Gewichtungsregeln entsprechen denen des CECE, der SETX wird ebenfalls sowohl in Euro als auch in US-Dollar berechnet. Er umfasst zurzeit nur 20 Werte, wobei Slowenien mit sieben Unternehmen überrepräsentiert ist. Bei der nächsten vierteljährlichen Überprüfung der Gewichtungen, die im Dezember ansteht, wird hier jedoch eine Änderung vorgenommen werden. Ein Markt soll laut Richtlinien maximal 40 Prozent einnehmen, derzeit erreichen die slowenischen Werte zusammen aber 42,75 Prozent. Größte Werte sind das slowenische Pharmaunternehmen Krka und die rumänische Bank BRD Groupe, die zur Société Générale gehört.

Auch die Regeln bezüglich der Indexzusammensetzung sind beim SETX und seinen Länderindizes leicht ergänzt worden. Aus Stabilitätsgründen können pro Überprüfungstermin maximal drei Werte ausgetauscht werden. Außerdem muss ein Unternehmen, bevor es vom Komitee aufgenommen werden kann mindestens ein Quartal lang auf der Beobachtungsliste geführt worden sein. Gleiches gilt für das Aussortieren von Aktiengesellschaften aus den Indizes.

Der SETX hat in den vergangenen zwölf Monaten eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht. Sein Kurs ist in dieser Zeit um mehr als 45 Prozent angestiegen. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch der SETX ein beliebter Basiswert für Zertifikate und Hebelprodukte ist. Die ZertiÞ kateAnleger-Datenbank listet derzeit 59 Derivate auf die Euro-Variante auf.

CECE und SETX - und damit alle Länderindizes im Osten Europas - umfasst der CECE Extended Index. Er besteht entsprechend aus 47 Werten und hat mit einem Plus von 17,76 Prozent ebenfalls kräftig zulegen können in Jahresfrist. Es gibt 39 Derivate auf dem Markt, die sich auf diesen Basiswert beziehen.



Britta Voß, 20.11.07 Dieser Artikel wurde 3767mal gelesen.