In der Kategorie Wissen machen wir Sie seit drei Jahren mit wichtigen Fachbegriffen aus der Welt der Zertifikate und der Finanzanlagen vertraut. Sehr häufig sind Indizes Basiswerte für derivative Finanzprodukte wie Zertifikate. Anlass genug, sie einmal genauer anzuschauen. In unserer Index-Serie stellen wir Ihnen die wichtigsten Börsenbarometer der Welt vor. Heute: Die Goldman Sachs Commodity Indizes.

Der Handel mit Rohstoffen ist so alt wie der Handel selbst. Schon vor tausenden von Jahren tauschten Händler auf Märkten landwirtschaftliche Produkte, Vieh oder Mineralrohstoffe. Für den modernen Privatinvestor war die Investition in den Rohstoffmarkt jedoch lange Zeit unattraktiv. Aufwendige Termingeschäfte oder gar der physische Erwerb von Produkten, der mit weiteren Liefer- und Transportkosten einherging, waren für ihn zumeist nicht rentabel.

Wirklich eröffnet wurde ihm der Markt erst durch die Emission von Rohstoffzertifikaten. Wer sein Investment nicht auf einen einzigen Rohstoff begrenzen möchte,sondern das Risiko über mehrere streuen will, für den eignen sich insbesondere Zertifikate auf Rohstoffindizes wie den Goldman Sachs Commodity Index (GSCI).

Der Index wird seit 1990 berechnet und wird von Goldman Sachs als weltweit wichtigster Rohstoffindex bezeichnet. Im Februar dieses Jahres wechselte die gesamte GSCI-Familie den Besitzer, neuer Inhaber ist das amerikanische Finanzunternehmen Standard & Poor’s. Zurzeit beinhaltet der Indexkorb 24 Rohstoffe aus allen Rohstoffsektoren. Das klare Übergewicht haben mit mehr als 70 Prozent Anteil die Energieträger Öl und Gas. Alleine die einzelnen Erdölsorten machen schon mehr als 50 Prozent aus. Diese Gewichtung erfolgt anhand der quantitativen Weltproduktion. Je höher die durchschnittliche Produktion des Rohstoffes in den letzten fünf Jahren weltweit war, desto höher ist auch sein Anteil am Index. Eine Höchstgrenze gibt es dabei nicht. Überprüft werden Gewichtung und Zusammensetzung einmal jährlich.

Neu aufgenommen wird ein Wert, wenn er nach Aufnahme mindestens 0,75 Prozent des Indexes ausmachen würde. Umgekehrt wird ein bestehendes Indexmitglied nur dann entfernt, wenn es weniger als 0,1 Prozent Gewicht stellt. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2003 Orangensaft aus dem Indexkorb des GSCI entfernt. Aktueller Wackelkandidat ist mit 0,2 Prozent Anteil Kakao.

Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Aktienindex wie dem DAX oder dem Dow Jones weist ein Rohstoffindex einige Unterschiede bei der Berechnung auf. Der Grund dafür: Rohstoffe werden ausschließlich an Terminbörsen gehandelt und zwar mit Hilfe von Future-Kontrakten. Diese haben eine begrenzte Laufzeit, an deren Ende die physische Lieferung des Rohstoffes steht.

Da der Anbieter eines Rohstoffindexes jedoch nicht an der realen Lieferung verschiedener Mineralien und Agrarprodukte interessiert ist, sondern vielmehr sicher stellen will, dass der Index durchgängig und zeitlich unbegrenzt berechnet wird, bedient er sich eines kleinen Kunstgriffes: Er „ rollt“ die Kontrakte. Beim Rollen wird ein Future rechtzeitig vor Ende seiner Laufzeit verkauft. Stattdessen wird ein entsprechender Kontrakt mit nächstliegender Fälligkeit erworben. Hierzu ein Beispiel: Bevor der September-Kontrakt für Kupfer eingelöst wird und der Indexanbieter tatsächlich 25 Tonnen des Industriemetalls erhält, verkauft er den Vertrag weiter und kauft stattdessen den im Oktober auslaufenden Kupfer-Future. Dieser Vorgang wiederholt sich dann entsprechend im nächsten Monat, der Kontrakt wird also regelmäßig weiter gerollt.

Beim GSCI gibt es eine monatliche Rollperiode, die sich vom fünften bis neunten Handelstag eines jeden Monats erstreckt. An jedem Tag werden 20 Prozent des gesamten Indexes umgeschichtet. Dabei müssen nicht in jeder Periode für alle Rohstoffe neue Future-Kontrakte gekauft werden. Während die Energieträger und Industriemetalle in monatlichen Futures gehandelt werden, laufen die Kontrakte von landwirtschaftlichen Produkten und Edelmetallen zwei bis drei Monate lang.

Das Rollen der Kontrakte hat auch einen Einfluss auf den Kurs des Indexes. Denn der Verkaufspreis des alten Futures entspricht in den allermeisten Fällen nicht exakt dem Kaufpreis für den nächsten Terminkontrakt.

Im Normalfall ist der Future einer Ware, die später geliefert wird und somit länger gelagert werden muss, teurer. Bei dieser Contango genannten Situation entstehen durch das Rollen also Verluste.

Anders ist es beim entgegen gesetzten Fall: Bei der so genannten Backwardation kostet der länger laufende Kontrakt weniger als der vorherige. Zu einer solchen Situation kommt es zum Beispiel bei einer Verknappung des Angebots, etwa bei einer unerwartet schlechten Ernte. Beim Rollen würden hier Gewinne gemacht werden.

Genauso wie es bei Aktienindizes verschiedene Varianten etwa bezüglich der Dividendenanrechnung gibt, unterscheidet man auch bei Rohstoffindizes zwischen drei verschiedenen Indexarten. Der Spot-Index zeigt lediglich die Preisbewegungen des als nächstes fälligen Futures.Bei der Excess-Return-Variante werden zusätzlich noch die Gewinne oder Verluste, die beim Rollen entstehen, berücksichtigt. Betrachtet man die letzten sechs Monate, so zeigt sich, dass die Entwicklung des Excess-Return-Indexes gegenüber dem Spot-Index des GSCI schlechter verlief. Das bedeutet, es wurden in diesem Zeitraum überwiegend Rollverluste in Contango-Situationen gemacht.

Die dritte und letzte Form der Rohstoffindizes ist der Total-Return-Index. Da am Terminmarkt nicht die volle Summe beim Kauf eines Futures hinterlegt werden muss, sondern lediglich eine Sicherheitsmarge, kann der Indexanbieter einen Teil des Kapitals anderweitig Zins bringend anlegen. Bei der Total-Return-Variante werden also neben dem Preis der Futures und den Rollbewegungen zusätzlich auch noch Zinserträge berücksichtigt.

Der GSCI wird in allen drei Varianten berechnet, maßgeblich für Derivate ist allerdings meist die Excess Return Variante. Aktuell werden in der Datenbank des ZertifikateAnlegers 30 Produkte auf diesen Index angeboten. Weitere 136 Derivate haben einen der GSCI Sub- oder Sektorenindizes als Basiswert. In ihnen ist wie im Beispiel des GSCI Light Energy Index der Anteil der Energieträger beschränkt oder sie beziehen sich nur auf einzelne Branchen wie der GSCI Agriculture Index.

Für alle Indizes der GSCI-Familie gelten jedoch grundsätzlich die gleichen Berechnungs- und Rollmethoden. Außerdem sollten interessierte Investoren eines beachten: Wie fast alle Rohstoffe notieren auch die Indizes in US-Dollar. Anleger, die das Währungsrisiko umgehen wollen, sollten also Papiere mit einer Quanto-Sicherung wählen. Weitere Informationen zu Zertifikaten und Hebelprodukten auf den GSCI finden Sie in unserer Datenbank unter www.zertifikate-anleger.de.



Britta Voß, 28.08.07 Dieser Artikel wurde 3595mal gelesen.