In der Kategorie Wissen machen wir Sie seit drei Jahren mit wichtigen Fachbegriffen aus der Welt der Zertifikate und der Finanzanlagen vertraut. Sehr häufig sind Indizes Basiswerte für derivative Finanzprodukte wie Zertifikate. Anlass genug, sie einmal genauer anzuschauen. In unserer Index-Serie stellen wir Ihnen die wichtigsten Börsenbarometer der Welt vor. Heute: Der Swiss Market Index.

Die Schweiz: Land der Berge, Land der Käse – und eines der wirtschaftlich bedeutendsten Länder Europas. Der Binnenstaat hat im vergangenen Jahr ein Bruttoinlandsprodukt von 50.418 US-Dollar pro Kopf erwirtschaftet. Zum Vergleich: Die Werte von Deutschland und Frankreich, Europas Wirtschaftsgrößen, liegen mehr als 30 Prozent darunter. Weltspitze sind unsere südlichen Nachbarn bei der Herstellung von Uhren und Präzisionsgeräten sowie in der Nutzung von Wasserkraft. Rund zwei Drittel des Schweizer Energiebedarfes werden durch die fast 500 Hydroenergieanlagen an den Alpenstauseen gedeckt. Darüber hinaus ist das Land aber recht rohstoffarm, lediglich geringe Mengen Kies und Kalk werden abgebaut.

Ein zunehmend wichtiger Wirtschaftsfaktor der Eidgenossen ist die Pharmaindustrie. Laut einer Studie von Interpharma, dem Verband der forschenden Pharmafirmen, ist der Anteil der Branche am Bruttoinlandsprodukt von 1990 bis 2004 um 80 Prozent gestiegen. Die beiden größten Unternehmen aus diesem Bereich, Roche und Novartis, stellen daher auch gemeinsam mit dem Lebensmittelkonzern Nestlé und der Bank UBS die Schwergewichte im Schweizer Leitindex SMI.

Der Swiss Market Index wird seit 1988 von der Schweizer Börse SWX in Zürich berechnet. Der SMI ist ein Preisindex, das heißt, die ausgeschütteten Dividenden der Unternehmen werden bei der Kursstellung nicht berücksichtigt. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Dividendenrendite der Unternehmen im Index bei 0,18 Prozent. Zwar wird auch eine Variante berechnet, die Dividenden berücksichtigt, allerdings spielt sie nur eine untergeordnete Rolle. Auf dem deutschen Derivatemarkt wird zurzeit nur ein Index- zertifikat von Société Générale mit diesem Basiswert angeboten (WKN:SG25SZ).

Zu Beginn dieses Jahres hat die Index- kommission eine Neustrukturierung des SMI beschlossen, die gestern in Kraft getreten ist. Mit den Änderungen soll aufgefangen werden, dass sich das Verhältnis von großen, mittleren und kleinen Unternehmen seit Auflegung des Indexes verschoben hat. Daher umfasst der SMI jetzt nur noch 20 statt wie bisher 25 Mitglieder. Die fünf aussortierten Werte zählen nun zum Midcap-Index SMIM, der im Zuge der Umstrukturierungen auf 30 Unternehmen aufgestockt wird.

Für die Auswahl der jeweiligen Indexbestandteile sind zu gleichen Teilen die beiden Kriterien Marktkapitalisierung des Streubesitzes und Orderbuchumsatz maßgeblich. Bei der Gewichtung innerhalb der Indizes wird lediglich der Börsenwert betrachtet. Eine Überprüfung und Anpassung erfolgt halbjährlich, neuerdings im März und September.

Ein weiteres Ziel der Neustrukturierung ist es, dass Emittenten den Swiss Market Index noch leichter replizieren können. Das ist notwendig, damit Produkte wie Zertifikate bankintern refinanziert werden können. Die Schweizer Börse erhofft sich also, dass zukünftig noch mehr Derivate den SMI als Basiswert nutzen. Aktuell gibt es schon eine ganze Reihe attraktiver Produkte am Markt, unsere Datenbank zählt derzeit 467 Derivate.

Im Juni dieses Jahres erreichte der SMI mit 9.510 Punkten sein Allzeithoch. Die Ausläufer der US-Immo- bilienkrise führten aber auch in der Schweiz zu einem deutlichen Kurssturz, momentan notiert der SMI um 8775 Punkte. Trotz dieses Einbruchs hat der Index innerhalb der letzten zwölf Monate etwas mehr als sechs Prozent zulegen können. Die Analystenmeinungen zur zukünftigen Entwicklung sind überwiegend positiv.



Britta Voß, 25.09.07 Dieser Artikel wurde 3330mal gelesen.