An dieser Stelle machen wir Sie in loser Reihenfolge mit den Grundtypen einiger Anlagezertifikate und mit weiteren Fachbegriffen aus der Welt der Finanzen vertraut. Das Thema heute: Transaktionskosten.

Wer im Supermarkt einen Joghurt kaufen will, weiß genau, was dieser kostet. Steht ja schließlich auf dem Preisschild. So ein Preisschild gibt es bei Zertifikaten prinzipiell auch: Es ist der Ausgabepreis beziehungsweise der aktuelle Verkaufskurs. Doch in den Zertifikatsbedingungen können weitere Kostenfaktoren, die beim Anleger nicht schon beim Erwerb, sondern erst während der Laufzeit anfallen, genannt sein. Und auch weitere Gebühren, die etwa für das Ausführen der Order erhoben werden, sind zu beachten. Grund genug also für einen genauen Blick auf die Transaktionskosten und die Kostenstruktur eines Zertifikates.  
 

Voraussetzung, um überhaupt Zertifikate handeln zu können, ist ein Wertpapierdepot bei einer Bank. Es kann bei der Hausbank oder einer anderen Filial- oder Direktbank eröffnet werden. Das Wertpapierdepot ist das Konto des Anlegers, das seinen Bestand an Zertifikaten ausweist und auf dem alle Käufe und Verkäufe verbucht werden. Wie bei einem Girokonto verlangen die Anbieter für die Kontoführung eine Entlohnung – die sehr unterschiedlich gestaffelt sein kann. Einige Depotbanken rechnen mit Pauschalbeträgen, bei anderen ist die Gebühr vom Ordervolumen abhängig. Im Gegenzug verzinsen einige Banken das Kundenguthaben, was einen Vergleich nicht vereinfacht.
 

Neben den Depotgebühren werden für den einzelnen Auftrag in der Regel Ordergebühren verlangt. Grundsätzlich gilt: Je weniger die Depot führende Bank mit der Weiterreichung der Order zu tun hat, umso günstiger wird es für den Anleger. Dieser sollte sich darüber informieren, ob es bei seiner Bank einen Preisunterschied macht, wenn er beispielsweise den Auftrag per Telefon, Fax oder online per PC erteilt. Zudem werden uneinheitliche Gebühren für das Setzen von Limits oder für Teilausführungen verlangt, wenn der Auftrag nicht komplett abgewickelt werden kann.
 

Auch die Art des Handelsweges hat Einfluss auf die Gesamtkosten: Zertifikate lassen sich nicht nur über die Börse, sondern auch im Direkthandel erwerben und veräußern. Bei letzterem treten die Anleger über ihre Depot führende Bank direkt mit dem Emittenten in Kontakt. Dies hat sowohl Vorteile (unter anderem längere Handelszeiten und eine sofortige Ausführung) als auch Nachteile (zum Beispiel die fehlende Börsenaufsicht und die fehlende Chance auf einen günstigeren Kurs innerhalb der vom Emittenten gestellten Preisspanne). Einen ausführlichen Beitrag hierzu können Sie im ZertifikateAnleger 5/2005 nachlesen.
 

Wer über die Börse handelt, muss Maklergebühren in Kauf nehmen. Diese Courtage beträgt etwa 0,08 Prozent des Auftragsvolumens. Beim Direkthandel ist kein Makler dazwischen geschaltet, also wird auch keine Maklergebühr verlangt. Günstig sind darüber hinaus so genannte „no fee-Aktionen“, die zuletzt immer mal wieder von einigen Banken angeboten wurden: Kunden dieser Kreditinstitute können während der begrenzten Aktionszeit Zertifikate bestimmter Emittenten sogar gänzlich ohne Transaktionskosten im Direkthandel kaufen und verkaufen.
 

Depot-, Order- und Maklergebühren – alle dieses Spesen ergeben sich im Umfeld des eigentlichen Zertifikates. Doch wie sieht’s mit dem Preis des Wertpapiers selbst aus? Ein Kriterium für dessen Höhe ist der Zeitpunkt des Kaufs. So sind zum Beispiel einige Neuemissionen nur mit Ausgabeaufschlag zu zeichnen. Bei einfachen Produkten wird in der Regel auf ein solches Agio verzichtet, bei komplizierten Zertifikaten hingegen wollen die Emittenten oftmals bereits bei Emission Erträge generieren. Dabei kann so ein Ausgabeaufschlag schon mal bis zu drei Prozent des Zeichnungswertes betragen. Mit zunehmender Laufzeit findet der Ausgabeaufschlag im Preis jedoch in der Regel immer weniger Niederschlag.
 

Für ein und dasselbe Zertifikat gibt es während der Laufzeit zwei unterschiedliche Preise: Den Kaufund den Verkaufskurs (Geld- und Briefkurs oder Bid und Ask). Die Spanne dazwischen wird als Spread bezeichnet. Die Höhe der Differenz wird unter anderem von der Handelbarkeit des Basiswertes und der Volatilität bestimmt. Anleger sollten darauf achten, dass der Spread außerhalb der Handelszeiten des Basiswertes in der Regel größer ist als innerhalb. Bei Investments in ausländische Werte etwa kann eine Transaktion innerhalb der dortigen Handelszeiten vorteilhaft sein.
 

Während der Laufzeit können für den Besitzer eines Zertifikates schließlich noch weitere Kosten entstehen, die sich aus der Art des Papiers ergeben und schon bei Emission in den Zertifikatsbedingungen geregelt werden. Dazu gehört zum Beispiel die Gebühr für das Management („Management-Fee“). Bei Basket-Zertifikaten beispielsweise wird meist der Emittent die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Aktienkorbes regelmäßig nach bestimmten Kriterien überprüfen und gegebenenfalls anpassen. Diese Leistung lässt er sich durch einen festen Prozentsatz per Anno bezahlen.
 

Bei Hedge-Fonds-, aber auch bei anderen Zertifikaten fällt manchmal eine erfolgsabhängige Gewinnbeteiligung an. Sie wird als „Performance-Fee“ bezeichnet und meist ebenfalls als fixer Prozentsatz – bezogen auf den Jahresgewinn – angegeben.

Viele einzelne Positionen ergeben also schließlich die Gesamtkosten, die ein Zertifikat beim Anleger verursacht – von der steuerlichen Behandlung möglicher Gewinne einmal ganz abgesehen. Mit einem Blick auf den Kurs allein ist es jedenfalls in den meisten Fällen nicht getan.
 

Ein kleiner Trost bleibt dennoch: Depot- und Transaktionskosten fallen auch bei anderen Wertpapieren in ähnlichem Umfang an. Und verglichen mit den Kosten eines Fonds stehen Zertifikate nach Ansicht vieler Experten grundsätzlich sehr gut dar - bei zum Teil besseren Renditeaussichten.
 



Eike Schäfer, 24.10.06 Dieser Artikel wurde 3557mal gelesen.