Der DAX gilt als Spiegelbild für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft. In unserer Rubrik „Wissen“ stellen wir Ihnen jene 30 Konzerne vor, deren Wertpapiere aktuell im deutschen Leitindex vertreten sind. Heute: Fresenius SE.

Manchmal kommt es vor, dass Kinder berühmter Eltern ihre ebenfalls erfolgreichen  Eltern überflügeln. So war beispielsweise Rolf Kahn in den Sechziger Jahren ein passabler Fußballer in der Bundesliga – sein Sohn Oliver brachte es aber gleich drei Mal zum Welttorhüter. Übertroffen wurde auch der Schauspieler Kirk Douglas von seinem Sohn Michael, der gleich zwei Oscar-Trophäen gewann, während der Vater stets leer ausgegangen war.

In gewissen Maßen ähnlich verhält es sich auch mit der Unternehmensfamilie Fresenius. Denn das Tochterunternehmen Fresenius Medical Care ist schon seit 1999 durchgängig Mitglied in Deutschlands wichtigstem Index, dem DAX. Der Mutterkonzern Fresenius SE folgte hingegen erst zehn Jahre später nach. Vor gut einem Monat verdrängte die Vorzugsaktie des Gesundheitskonzerns die Aktie der Deutschen Postbank aus dem Index.  

Wer also derzeit auf der Kursliste der DAX-Unternehmen gleich zwei Mal Fresenius entdeckt, braucht sich nicht zu wundern. Möglich wird diese kuriose Konstellation durch die besondere Struktur des Konzerns. Die Fresenius SE – die Abkürzung SE steht für eine Aktiengesellschaften in der Europäischen Union – ist eine operative Holding. Das bedeutet, sie bildet die Muttergesellschaft der vier rechtlich eigenständigen Tochterunternehmen, ist aber selbst auch geschäftlich tätig.

Die einzelnen Töchter haben sich jeweils auf einen bestimmten Bereich des Gesundheitswesens spezialisiert. Die schon genannte Fresenius Medical Care ist der Weltmarktführer für Produkte und Dienstleistungen für die Dialyse. Seit 1996 ist dieser ehemalige Unternehmensteil selbständig und wurde durch Übernahmen stetig erweitert. Die Fresenius SE ist mit einem Anteil von 36 Prozent aber immer noch der  größte Aktionär. Ein ausführliches Portrait über den DAX-Wert Fresenius Medical Care finden Sie in der ZertifikateAnleger-Ausgabe 16/2008.

Vollständig im Besitz der Fresenius SE sind die beiden Tochterunternehmen Fresenius Kabi, die Produkte rund um die Infusionstherapie und klinische Ernährung herstellt, sowie Fresenius Helios. In den 57 Kliniken der Helios-Gruppe werden jährlich mehr als eine halbe Million Patienten versorgt. Damit zählt das Unternehmen zu den größten privaten Klinikbetreibern in Deutschland.  Fresenius Kabi könnte besonders durch die Übernahmen des indischen Unternehmens Dabur Pharma und des US-Konzerns APP Pharmaceuticals  profitieren, die beide im vergangenen Jahr abgeschlossen wurden. Die vierte und kleinste Tochter der Konzernfamilie ist Fresenius Vamed, die zu 77 Prozent zur Fresenius SE gehört. Vamed ist in der Planung und Umsetzung von Gesundheitsprojekten tätig.

Für das vergangene Geschäftsjahr hat Fresenius gute Zahlen vorlegen können. Der Konzernumsatz wuchs währungsbereinigt um 13 Prozent,. Das Ergenbis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wuchs währungsbereinigt um zwölf Prozent. Auch für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich der Vorstand optimistisch. Die Konzernspitze erwartet, dass Umsatz und Gewinn 2009 um weitere zehn Prozent gesteigert werden können.

Dem guten Ergebnis entsprechend werden die Aktionäre auf der Hauptversammlung von Fresenius, die am 8. Mai in Frankfurt stattfindet, über eine Erhöhung der Dividende abstimmen. Der Vorstand hat eine Erhöhung der Ausschüttungen um vier Cent auf dann 58 Cent vorgeschlagen. Falls dieser Vorschlag wie erwartet angenommen wird, würde sich damit der Trend der vergangenen Jahre fortsetzen. Seit 2003 haben sich die Dividendenzahlungen stetig erhöht.

Die Meinungen der Analysten, die von Aktiencheck auf ARIVA.DE veröffentlicht werden, sprechen derzeit klar für einen Kauf der Fresenius Vorzugsaktie. Die SEB-Bank hält die Aktie besonders für ein langfristiges Investment für geeignet und sieht das Kursziel bei 41 Euro, also knapp 24 Prozent über dem jetzigen Kurs. Noch ein wenig besser schätzt die UniCredit das Entwicklungspotential ein. Die Analysten der italienischen Großbank sehen das Kursziel bei 45 Euro. Einen Überblick über alle Analysen zur Aktie finden Sie hier.

Wer mit Zertifikaten auf den Gesundheitskonzern setzen möchte hat insgesamt 608 verschiedene Zertifikate zur Auswahl. Besonders bei Bonus- und Discountzertifikaten ist die Auswahl recht groß. Wer allerdings darauf setzen möchte, dass die Fresenius-Aktie an Wert verliert muss eher auf Optionsscheine oder Knock-Outs zurückgreifen, da derzeit nur ein Reverse-Zertifikat auf diesen Basiswert angeboten wird, das bereits in drei Monaten ausläuft.



Britta Voß, 14.04.09 Dieser Artikel wurde 3076mal gelesen.