Wenn bei Bonuszertifikaten der Basiswert eine festgelegte Kursschwelle reißt, wandeln sich die Produkte in Trackerzertifikate um. Ist der Basiswert ein Preisindex, werden vormals gebundene Dividendenerlöse frei. Welchen Effekt das haben kann, zeigt ein Papier aus dem Depot des ING Bank-Experten Rüdiger Haessler.

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© brokenarts / sxc.hu

Das Gute an einem Flohmarkt ist, dass man endlich mal die Dinge loswird, die ansonsten im Keller sinnlos von links nach rechts geschoben werden. Oft finden sich für die seltsamsten Dinge Abnehmer. Denn schließlich kann der Trödel für andere noch einen großen Wert haben.

Gäbe es einen Flohmarkt für Zertifikate, würde man dort sicher eine Menge Bonuszertifikate mit gerissener Barriere finden. Denn der Clou dieser Produkte, die Bonuszahlung am Ende der Laufzeit, ist mit dem Unterschreiten der Schwelle verwirkt. Sie vollziehen dann lediglich den Kurs des Basiswertes nach, ähnlich wie bei einem Indexzertifikat.

Interessant können derartige Papiere dennoch sein. Normalerweise nutzt die Bank bei einem Bonuszertifikat die Dividenden des Basiswertes, um den Bonus am Ende der Laufzeit zu refinanzieren. In dem Moment jedoch, in dem die Barriere gerissen wird, verfallen die für den Bonus verantwortlichen Optionen – so dass die Dividenden nun bei der Preisstellung des Zertifikats angerechnet werden.

Dieser Effekt zeigt sich auch beim Bonuszertifikat auf den österreichischen Leitindex ATX (WKN: A0V727), das Rüdiger Haessler für sein Depot in der Expertenliga gewählt hat. Die Barriere wurde bereits im September des vergangenen Jahres gerissen. Als der Experte der ING Bank das Papier für unser Spiel gewählt hat, gab es bereits keine Chance mehr, den Bonus zu erzielen.

Mit dieser Wahl hat er gleich im doppelten Sinne ein glückliches Händchen bewiesen. Einerseits hat der ATX in diesem Jahr kräftig zugelegt. Knapp 40 Prozent Wertsteigerung kann der Index seit Jahreswechsel verzeichnen, gleich vier Mal so viel wie der DAX. Andererseits konnte Rüdiger Haesslers Zertifikat den Basiswert und alle auf dem Markt verfügbaren Indexzertifikate auf den ATX mit seinem Jahresplus von 63 Prozent deutlich schlagen. Wie kommt es zu dieser großen Differenz?

Das Bonuszertifikat ohne Bonuschance läuft noch bis zum Sommer 2013. Somit werden bis zur Endfälligkeit noch vier Mal Dividenden ausgeschüttet. Und diese erwarteten Zahlungen werden bei der Preisstellung des Zertifikats berücksichtigt. Bei der üblicherweise für diese Zertifikate verwendeten Kursnotierung des ATX finden Dividenden keine Berücksichtigung. In diesem Jahr lag die durchschnittliche Dividendenrendite im Index bei 2,97 Prozent.

Das auf den ersten Blick uninteressante Produkt zählt zu den fünf besten der Expertenliga und hat Rüdiger Haessler damit auch zu seinem derzeit dritten Platz in der Gesamtwertung verholfen. Manchmal lohnt sich eben auch ein zweiter Blick.



Britta Voß, 10.11.09 Dieser Artikel wurde 5796mal gelesen.