Ein neues Allzeithoch jagt beim Gold derzeit das nächste. Als sicherer Hafen ist das Edelmetall begehrt wie nie. Wer nicht direkt auf den Rohstoff setzen will, findet auf dem Zertifikatemarkt Produkte, die sich auf Aktien von Goldminenbetreibern beziehen. Am derzeitigen Goldrausch partizipieren die Produkte allerdings kaum.

Haben Sie Gold im Depot? Dann können Sie sich glücklich schätzen. Wer zu Beginn dieses Jahres eines der aktuell rund 30 angebotenen open end-Trackerzertifikat auf den Rohstoff Gold gekauft hat, kann sich heute über ordentliche Kursgewinne freuen. Und das, obwohl Gold bereits zu Jahresbeginn historisch teuer war. Doch die Schuldenkrisen in den USA und Europa, Inflationsängste und die Furcht vor einem Rückfall in die Rezession haben den Preis für die Feinunze im Jahresverlauf immer weiter auf neue Rekordhöhen getrieben.

Ein währungsgesicherter Goldtracker der Deutschen Bank (DB0SEX) beispielsweise hat seit dem 3.1.2011 um 37 Prozent an Wert zugelegt, ein anderes Zertifikat der Commerzbank (CB2458) um 34 Prozent. Leicht schlechter fällt die Bilanz bei nicht gegen Wechselkursschwankungen abgesicherten Produkten aus: Der Goldtracker von Société Générale (SG0AYL) etwa hat um knapp 30 Prozent an Wert gewonnen, ebenso ein vergleichbares Produkt der LBBW (LBW56P). Insgesamt fällt das Fazit für Trackerzertifikate auf den Goldfuture dennoch gut aus. Sie haben sich in den vergangenen acht Monaten äußerst bezahlt gemacht.

Doch nicht nur der Goldfuture ist Grundlage für Zertifikate. In der Vergangenheit haben Banken strukturierte Produkte auch auf die Aktien von Goldminen-Betreibern emittiert. Konnten auch diese Zertifikate von einer steigenden Goldnachfrage profitieren?

Die aus Sicht mancher Anleger ernüchterndne Antwort lautet: Sie konnten nicht. Schaut man auf den jüngsten Kursverlauf der Zertifikate, stellt man fest, dass große Erwartungen alles andere als erfüllt wurde.

Als Basiswert für Zertifikate dient beispielsweise der NYSE Arca Gold Bugs Index (ehemals AMEX Gold BUGS Index). Dabei handelt es sich um einen in US-Dollar gehandelten Aktienindex, der sich aktuell aus den Aktien von 16 Goldproduzenten und hauptsächlich Gold fördernden Bergbauunternehmen aus verschiedenen Ländern zusammensetzt.

Quantozertifikate auf diesen Index bieten RBS und Société Générale an. Das Zertifikat der französischen Bank (SG0HGQ) kommt im betrachteten Zeitraum seit Jahresbeginn auf ein Plus von 10,6 Prozent, das von RBS (687480) auf einen vergleichsweise mageren Kursgewinn von 5,1 Prozent. Noch schlechter fällt auch bei diesem Index das Resultat für die non-Quantoprodukte aus. Auch hierfür zwei Beispiele: Ein solches Zertifikate der HVB (HV5CFY) liegt seit Jahresbeginn mit 2,6 Prozent im Minus, ein anderes von Goldman Sachs auf denselben Index kommt auf ein Minus von 1,3 Prozent. Mit beiden Zertifikaten war in diesem Jahr bisher also nichts zu holen, obwohl sich der Goldpreis weiter so rasant nach oben entwickelt hat.

Ebenfalls im Minus - bezogen auf den Wert am Jahresanfang - notieren aktuell Zertifikate von UBS und der WestLB auf andere Aktienkörbe. UBS bezieht sein Goldminen-Zertifikat (UB070J) auf einen Aktienkorb mit 15 Minenwerten, die WestLB hat für ihr Goldmining Active Zertifikat (WLB7RG) ebenfalls einen eigenen Aktienkorb zusammengestellt.

Wer sich für die Aktien von Minenbetreibern interessiert, sollte beachten, dass der Kurs der Papiere maßgeblich durch unternehmerische Entscheidungen, Rentabilität und die Ertragserwartungen der Marktteilnehmer bestimmt wird. Der Preis des Rohstoffs ist dabei ein Faktor, nicht aber zwingend der maßgebliche.

Analysten der französischen Großbank BNP Paribas haben sich in einer Untersuchung mit dem Zusammenhang von Rohstoffpreis und den Kursen der Minenbetreiber beschäftigt. Die Korrelation zwischen Spot-Preis und dem Goldminenindex der NYSE habe in den vergangenen Jahren um die 70 Prozent betragen, es habe jedoch auch Phasen stärkerer Abweichung gegeben. Gold sei nicht nur ein Rohstoff, sondern auch eine Währung, betonen die Experten. Die verstärkte Nachfrage des Goldes als sicherer Hafen könne eine solche Entwicklung begünstigen. Dass die Bewertung der Aktien den Preisschub beim Rohstoff nachhole, könne nicht ausgeschlossen werden.



es, 23.08.11 Dieser Artikel wurde 5393mal gelesen.