Traditionell im Frühjahr untersucht die Deutschen Bank, wie sich die seit Ende 1999 von ihr herausgebrachten Discountzertifikate entwickelt haben. Knapp 17.000 weitere Zertifikate sind mit Ablauf des Jahres 2011 in die jüngste Untersuchung eingeflossen. Gute Noten gibt es trotz des zuletzt schwierigen Marktumfeldes.

Zwei von drei Discount-Zertifikaten der Deutschen Bank, die in den vergangenen elf Jahren fällig wurden, wiesen eine positive Wertentwicklung auf. Zu diesem Ergebnis kommt die jüngste „Discount-Zertifikate-Studie“ des Emissionshauses. Untersucht wurden Zertifikate, die nach dem 4. November 1999 emittiert wurden und deren Laufzeit bis zum 31.12.2011 endete.

Demnach haben sich 68,6 Prozent der untersuchten Produkte über ihre Laufzeit besser entwickelt als der Basiswert, auf den sie sich bezogen. Mehr noch: Fast 22 Prozent der Discounter erbrachten eine positive Kursrendite, obwohl beim Basiswert im selben Zeitraum Verluste zu verzeichnen waren.

Die Ergebnisse entsprechen fast genau denen des Vorjahres. Das ist deshalb bemerkenswert, weil sich durch das zusätzlich betrachtete Börsenjahr die Zahl der Zertifikate gegenüber der vorigen Untersuchung von etwa 35.000 auf mehr als 52.000 deutlich erhöht hat.

Nicolai Tietze aus dem Team von db-X markets erklärt den Anstieg zum einen mit dem allgemein gestiegenen Emissionsvolumen, zum anderen aber auch mit dem Verlauf des letzten Börsenjahres. Zweimal, im März nach der Atomkatastrophe in Japan und im August aufgrund der Schuldenkrise, waren die Kurse an den Weltbörsen eingebrochen. Die Bank habe daraufhin jeweils ihr Angebot angepasst, sagt Tietze.

Der Volatilitätsindex VDAX-New kletterte nach den Kurseinbrüchen 2011 zeitweise auf Werte größer als 50 Punkte. Dieser Index ist ein Maß dafür, mit welcher Schwankungsbreite die Marktteilnehmer bei den DAX-Aktien für die kommenden 30 Tage rechnen. Steigt die Volatilität, können Banken Discountzertifikate mit höherem Abschlag gegenüber dem Direktinvestment anbieten. Mit den Schwankungen nimmt aber auch das Risiko der Anlage zu.

Die Konstruktionsweise von Discountzertifikaten erklärt auch eine weitere Beobachtung: Die Gewinne oder Verluste fallen weniger extrem aus als bei den Basiswerten. „Stark positive, aber auch stark negative Renditen werden von Aktien und Indizes häufiger erzielt als von Discount-Zertifikaten“, sagt Tietze. So haben bei der Untersuchung mehr als die Hälfte der Discounter eine Rendite zwischen Null und 20 Prozent erzielt, während von den Basiswerten nur knapp halb so viele auf eine Rendite in diesem Bereich kamen. Dafür waren bei den Basiswerten öfter Renditen größer als 20 Prozent oder kleiner Null zu beobachten als bei den Discountern (siehe Verteilungskurve).

Bei Discountzertifikaten verkauft die emittierende Bank am Terminmarkt bestimmte Optionen (Calls) auf den Basiswert. Durch den dabei erzielten Erlös kann sie die Zertifikate billiger verkaufen, gemessen am aktuellen Basiswertkurs. Der Zertifikatekäufer steigt mit Abschlag ein, wird im Gegenzug allerdings nur bis zu einer fixen Höhe (Cap) an der Kursentwicklung des Basiswertes beteiligt. Außerdem hat er keinen Anspruch auf Dividenden, die beim Basiswert anfallen.

Nach Angaben von Zertifikateexperte Nicolai Tietze umfasst die Untersuchung auch eine Vielzahl an Deep-Discountzertifikaten. Dies führe dazu, dass die Entwicklung der Discountzertifikate insgesamt unterschätzt werde. Bei Deep-Discountzertifikaten liegt der Höchstkurs weit unter dem Kurs des Basiswertes bei Emission: Deep-Discounter weisen einen besonders hohen Risikopuffer aus, so dass selbst bei fallenden Kursen beim Basiswert das Zertifikat oft noch zum Höchstbetrag ausbezahlt wird.

Erkauft wird dieser Puffer dadurch, dass sich nur geringere Renditen erzielen lassen. In Zeiten niedriger Zinsen würden Deep-Discountzertifikate von Anlegern vermehrt als Alternative zum Termingeld eingesetzt, berichtet Tietze.

„Discount-Zertifikate-Studie 2012“



Eike Schäfer, 01.05.12 Dieser Artikel wurde 198515mal gelesen.