Wird ein Unternehmen zum Ziel einer Übernahme, steigt oft der Aktienkurs. Darauf setzen spezielle Zertifikate, bei denen Emittenten oder Indexanbieter Aktien potenzieller Übernahmekandidaten bündeln. In der Vergangenheit ging die Rechnung nicht immer auf. Die HVB emittiert jetzt ein neues Produkt zum Thema.

istock_000015187433xsmall_gunnar_pippel_za.jpg
© Gunnar Pippel/istockphoto.com
Nach Statistik der Unternehmensberatung A.T. Kearney war 2007 ein Rekordjahr bei Firmenübernahmen. Zu dieser Zeit hatten bereits verschiedene Emittenten Strategiezertifikate zu diesem Thema entwickelt. Bis heute klingt die Idee verlockend: Wird ein Unternehmen zum Ziel einer Übernahme, steigt oft der Aktienkurs. Mit Übernahmen ordentlich Geld verdienen - das ist auch für Privatanleger attraktiv.
 
Die M&A- hemenzertifikate beziehen sich auf Indizes oder Aktienkörbe, die aus Wertpapieren von Unternehmen zusammengesetzt sind, die Finanzexperten als potentielle Übernahmekandidaten einstufen. Die Emittenten beziehen sich bei ihrer Auswahl zwar in der Regel auf bestimmte Kenngrößen. Eine spezielle Unternehmenskennzahl, die ein Aktienunternehmen als potentielles Übernahmeziel ausweist, gibt es aber nicht. Mit anderen Worten: Anleger sind voll und ganz auf das gute Händchen der Bankmitarbeiter bei der Auswahl der Aktien angewiesen. 
 
Die Anzahl der Werte variiert bei den aktuell angebotenen M&A-Zertifikaten stark, ebenso die Verteilung auf Branchen und Länder.
 
Anleger sollten darauf achten, ob während der Laufzeit Anpassungen der Gewichtung und Überprüfungen der Korbzusammensetzung vorgesehen sind - und wenn ja in welchem Rhythmus. Sind keine Anpassungen vorgesehen, werden Werte, die sich besonders gut entwickeln, nach einiger Zeit im Korb stark gewichtet. Wer erst nach Emission einsteigt, investiert dann möglicherweise schwerpunktmäßig in Unternehmen, bei denen die Spekulation bereits heißgelaufen ist.
 
Dividendenanrechnung und mögliche Währungsrisiken sind weitere Punkte, in denen sich die Produkte unterscheiden können. Und natürlich in den Gebühren. Manche Emittenten weisen explizit eine Managementgebühr für ihren Aufwand aus. Wer das Zertifikat während der Laufzeit handelt, sollte auch auf die Differenz zwischen den vom Emittenten gestellten An- und Verkaufspreisen (Spread) achten.
 
Die Gesamtbilanz aktueller M&A-Zertifikate ist wenig überzeugend. Beispiel: Die Raiffeisen Centrobank hat 2006 ein Zertifikat auf einen Aktienkorb emittiert (WKN: RCB4RQ), in dem aktuell 16 europäische Aktien enthalten sind. Seit Emission hat das Produkte um mehr als 30 Prozent an Wert verloren. Für den europäischen Leitindex EuroStoxx 50 stehen im selben Zeitraum Verluste in ähnlicher Höhe zu Buche. Von einer deutlichen Überrendite ist das M&A-Zertifikat also weit entfernt.
 
Wesentlich später, im März 2011, kam das Performancezertifkat auf den M&A Investable Index von UBS (UB6MNA) auf den Markt, das in wenigen Tagen fällg wird. Der Index ist mit aktuell 38 Aktien wesentlich breiter aufgestellt. Seit Emission verlor jedoch auch dieses Zertifikat stark an Wert (-20 Prozent). Wer von Anfang an dabei war, für den mag es nur ein schwacher Trost sein, dass der Verlust beim europäischen Leitindex EuroStoxx 50 im selben Zeitraum noch größer ausfällt (-31,1%). UBS bietet neben diesem Produkt auch ein Open-End-Indexzertifikat auf denselben Index an (UB8MAE).
 
Leicht im Plus bezogen auf den Emissionspreis von Ende 2005 liegt aktuell ein Themenzertifikat von Société Générale (SG63FU), das sich aktuell auf 40 gleich gewichtete europäische Aktien bezieht. Auch die Deutsche Bank (DB3P4P, DB1XVV), und die Royal Bank of Scotland (ABN40A) haben Übernahmezertifikate im Produktangebot.
 
Wie stark die Performance allerdings auch vom betrachteten Zeitraum abhängt, wird deutlich, wenn man sich die Kursentwicklung der Produkte in den vergangenen zwölf Monaten anschaut. Vier der fünf Zertifikate, deren Kursverlauf in der Abbildung dargestellt ist, liegen für diesen Zeitraum zweistellig im Plus - und schneiden besser ab als der Vergleichsindex EuroStoxx 50.
 
Erst wenige Tage im Handel ist ein Zertifikat, das die HypoVereinsbank (HV7TPD) zum Thema Übernahmen und Fusionen aufgelegt hat. Das Besondere hierbei: Basiswert ist der Solactive German Mergers & Acquisitions Performanceindex, das Auswahluniversum besteht also ausschließlich aus deutschen Aktien.
 
Der Index umfasst maximal 20 Wertpapiere und wird vom Indexanbieter Structured Solutions vierteljährlich angepasst.
 
Fazit: Wer an Übernahmezertifikate interessiert ist, dem bleibt nur der Blick in die jeweiligen Dokumente der Emittenten, um die Angebote detailliert vergleichen zu können. Gebühren, die Auswahl von unpassenden Titeln oder von Aktien zum falschen Zeitpunkt sowie fehlende Anpassungen reduzieren die Chancen, mit Übernahmezertifikaten bessere Renditen zu erzielen als mit Zertifikaten auf Benchmark-Indizes. Vertrauen, dass die Bank die richtigen Aktien ausgewählt hat, ist für ein Investment in diese Produkte Grundvoraussetzung. 


Eike Schäfer, 02.10.12 Dieser Artikel wurde 11471mal gelesen.