The same procedure as every year: Wie immer vor dem Jahresende diskutieren Börsenbeobachter darüber, ob eine Jahresendrallye bevorsteht. Gründe dafür gibt es viele - ebenso wie Gründe dagegen.

Legen die Kurse an der Börse zum Abschluss des Jahres noch einmal zu? Geht es etwa nach Experten der Commerzbank, könnte der DAX noch bis auf 7800 Punkte klettern. Das wäre ein Plus von rund 650 Punkten. Argumente lassen sich sowohl für als auch gegen eine Endrallye finden. Dies sind die wichtigsten:

Argumente gegen eine Endrallye

  • Träge Weltkonjunktur
    Die Weltkonjunktur steht auf wackeligen Beinen. Die jüngsten Berichte der Unternehmen sind vergleichsweise schwach ausgefallen.
  • Situation in Südeuropa
    Immer deutlicher zeichnet sich ab, dass Griechenland seine Schulden nicht in vollem Umfang zurückzahlen kann. Ein Schuldenschnitt ist auch nach der gestrigen Einigung der Euro-Finanzminister mit IWF und EZB über die Freigabe von Griechenland-Hilfen nicht vom Tisch.
    Mit einem Schuldenschnitt würden Gläubiger massiv Geld verlieren. Auch die Situation Spaniens bleibt unverändert.
  • Herabstufung Frankreichs
    Umverteilung und höhere Steuern statt Kürzung der Staatsausgaben kennzeichnen die französische Politik. Die Ratingagentur Moody`s sieht das kritisch und hat die Kreditwürdigkeit Frankreichs herabgestuft.
    Als Gläubigerland ist Frankreich aber für den Euroraum von großer Bedeutung.
  • Konflikt in Nahost
    Zwar gibt es in Gaza eine Waffenruhe, dafür brodelt es nun in Ägypten. Jeder Anstieg des Ölpreises ist Gift für die Weltkonjunktur.
  • Fiskalklippe
    Das Haushaltsproblem in den USA ist nicht gelöst. Einigen sich Demokraten und Republikaner in den kommenden Tagen nicht, treten automatisch Ausgabenkürzungen in Kraft und laufen Steuererleichterungen aus. Dies gefährdet massiv die ökonomische Entwicklung.

 

Argumente für eine Endrallye

  • Fiskalklippe
    Die Fiskalklippe ist auch das wichtigste Argument für eine Jahresendrallye: Aufgrund der unsicheren Situation herrscht derzeit noch Kaufzurückhaltung an den Börsen. Verständigen sich Demokraten und Republikaner in den USA aber, könnte dies der entscheidende Kaufimpuls für Investoren sein. Und: Ein Kompromiss gilt als wahrscheinlich, da für die USA viel auf dem Spiel steht.
  • Window-Dressing
    Dem Window Dressing zufolge fügen Fonds kurz vor Jahresende aus kosmetischen Gründen die Gewinner-Aktien ihrem Portfolio hinzu. Oder sie kaufen weniger liquide Papiere, die schon im Portfolio enthalten sind, um deren Kurs in die Höhe zu treiben.
  • Entspannung bei Griechenland
    Die Freigabe für griechische Hilfen bringt dem Land Zeit und den Finanzmärkten Erleichterung.

 

Der Blick in die Vergangenheit zeigt übrigens: In neun der vergangenen zehn Jahre kletterte der DAX tatsächlich in den letzten sechs Wochen des Jahres. Ausgeglichen ist die Bilanz dagegen in den ersten sechs Wochen am Jahresanfang: Fünfmal gab es in diesem Zeitraum in den vergangenen zehn Jahren Gewinne, fünfmal Verluste (siehe Grafik).

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DAX-Entwicklung in den letzten sechs Wochen des Jahres (Angaben in Prozent, Börsenplatz: Xetra, Quelle: ARIVA.DE)

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DAX-Entwicklung in den ersten sechs Wochen des Jahres (Angaben in Prozent, Börsenplatz: Xetra, Quelle: ARIVA.DE)



es, 27.11.12 Dieser Artikel wurde 343434mal gelesen.