Sie suchen eine Anlage mit überschaubarem Risiko und ordentlichen Renditen? Dann könnten Express Zertifikate für Sie interessant sein. Der "Zertifikate-Anleger" sagt Ihnen, wie diese funktionieren und stellt Ihnen zwei spannende Express Zertifikate vor.


Anders als bei vielen Zertifikaten, bei denen eine Auszahlung erst am Ende der Laufzeit stattfindet, kann diese bei Express Zertifikaten auch schon während der Laufzeit erfolgen. Quasi per Express. Höhe und Zeitpunkt der Rückzahlung hängen dabei von der Entwicklung des Basiswerts, welcher beispielsweise eine Aktie oder ein Index sein kann, ab. Bei einem klassischen Express Zertifikat wird ein Tilgungslevel am Beginn der Laufzeit fixiert. Dieser entspricht in der Regel dem Kurs des Basiswerts bei der Emission des Zertifikats, kann aber davon auch abweichen. An mehreren festgelegten Bewertungstagen wird der aktuelle Kurs des Basiswerts nun mit dem Tilgungslevel verglichen.

Tilgungslevel steuert Rendite

Liegt der Kurs bereits am ersten Stichtag über dem Tilgungslevel, endet das Zertifikat mit einer Auszahlung des eingesetzten Kapitals plus eines zusätzlichen Betrags, auch Coupon genannt. Liegt der Kurs an diesem Tag jedoch unter dem Tilgungslevel, findet noch keine Auszahlung statt und das Zertifikat verlängert sich mindestens bis zum nächsten Bewertungstag. An den nachfolgenden Bewertungstagen wird der Vergleich zwischen dem aktuellem Kurs und dem Tilgungslevel wiederholt. Liegt der Kurs des Basiswerts an einem der folgenden Stichtage darüber, endet wiederum das Zertifikat. Das wiederholt sich bis zum Ende der Laufzeit. Das Gute dabei: Mit jedem nicht genutzten Bewertungstag erhöht sich der Auszahlungsbetrag um einen absoluten oder einen prozentuellen Betrag.

Euro Stoxx 50 (2-Jahres-Chart):

Seit Juni 2012 bewegt sich der Euro Stoxx 50 in einem Aufwärtstrend, welcher momentan
bei etwa 2.600 Punkten verläuft. Dort findet sich auch die 200-Tage-Linie.

Barriere steuert Risiko

Erreicht das Express Zertifikat das Ende seiner Laufzeit und notiert der Kurs des Basiswerts auch zu diesem Zeitpunkt unter dem Tilgungslevel, erhält der Anleger ebenfalls mindestens den Ausgabebetrag beziehungsweise Nennwert des Zertifikats zurück. Allerdings kommt nun zusätzlich eine untere Schranke, Barriere genannt, ins Spiel. Liegt der Kurs des Basiswerts zur Fälligkeit unter der Barriere, erhält der Anleger entweder den aktuellen Kurs oder - beispielsweise bei einem Index als Basiswert - den mit der zurückgelegten Performance multiplizierten Ausgabewert zurück. Liegt also der Kurs am Ende der Laufzeit unter der Barriere, kann ein Verlust entstehen. Dies also ist die Risikokomponente bei klassischen Express Zertifikaten. Je tiefer die Barriere, desto geringer das Verlustrisiko.

ThyssenKrupp (2-Jahres-Chart):

In der Region von 13 Euro könnte die Aktie von ThyssenKrupp einen Boden
gefunden haben. Bei 11,40 Euro markierte der Kurs im Juni 2012 ein Mehrjahrestief.

Zertifikat auf den Euro Stoxx 50

Jetzt aber in medias res. Für eine eher defensive Anlagestrategie eignet sich beispielsweise das Express Zertifikat mit der WKN SG3NQC. Genau genommen handelt es sich hierbei um ein so genanntes Stufenexpress Zertifikat, bei dem sich der Tilgungslevel verändert. Basiswert ist der Euro Stoxx 50, welcher die 50 größten börsennotierten Unternehmen Europas beherbergt. Der Tilgungslevel am nächsten Bewertungstag (20.11.2013) liegt bei 2.759,90 Punkten. Der Coupon beträgt 7,5 Prozent auf den Nennwert von 100 Euro. Geht der Euro Stoxx 50 an diesem Tag mit einem Stand über 2.759,90 Punkten aus dem Handel, erhält man 107,50 Euro zurück. Dies würde einer Rendite von knapp vier Prozent entsprechen oder über den Daumen acht Prozent per annum.

Ablauf eines Express-Zertifikats:

Hier sehen Sie den Ablauf bei einem klassischen Express Zertifikat mit einem Nennwert
von 100 Euro und einem Coupon von zehn Prozent. Der Tilgungslevel
könnte in diesem Fall bei 100 Euro liegen, die Barriere bei 80 Euro.

Zertifikat läuft weiter

Wenn nicht, läuft das Zertifikat weiter bis zum 20.11.2014, dann aber liegt der Tilgungslevel eine Stufe darunter bei nur noch 2.383,55 Punkten. Geht der Euro Stoxx 50 über dieser Marke aus dem Handel, erhält man 115 Euro zurück, was einer Rendite von mehr als elf Prozent entsprechen würde. Falls nicht, gibt es noch einen finalen Bewertungstag (20.11.2015), an dem der Tilgungslevel bei 2.007,20 Zählern liegt. Steht der Europa-Index an diesem Tag darüber, werden 122,50 Euro zurückgezahlt beziehungsweise würde man eine Rendite von fast 19 Prozent erzielen. Notiert der Schlusskurs am 20.11.2015 allerdings unter dem Tilgungslevel von 2.007,20 Punkten, so erfolgt die Rückzahlung zu einem Preis unter dem Nennwert und der Anleger erleidet einen Verlust. Der letzte Tilgungslevel ist also gleichbedeutend mit einer Barriere.

Für risikobewusste Anleger

Wer mehr Risiko gehen will, für den könnte das Stufenexpress Zertifikat mit der WKN SG3NQ5 interessant sein. Basiswert ist die Aktie von ThyssenKrupp, die in den vergangenen Monaten der Musik hinterherlief. Doch die Stahlkonjunktur könnte sich in den kommenden Jahren erholen. Zudem wandelt sich ThyssenKrupp immer mehr zu einem Technologie-Konzern. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel für die Aktie liegt bei 18 Euro. Der Tilgungslevel beim Zertifikat liegt am nächsten Bewertungstag (20.11.2013) bei 16,58 Euro und somit über dem aktuellen Kursniveau. Sollte die Aktie am 20. November 2013 über dem Tilgungslevel notieren, winkt eine Express-Rückzahlung von 109 Euro pro Zertifikat, was aktuell einer Rendite von neun Prozent entsprechen würde. Übernächster Bewertungstag wäre im Falle des Falles der 20.11.2014 - dann sinkt der Tilgungslevel auf 14,09 Euro b ei einer etwaigen Rückzahlung von 118 Euro. An einem möglichen finalen Bewertungstag (20.11.2015) muss die Stahlaktie mit einem Kurs über 11,61 Euro aus dem Handel gehen, um eine Rückzahlung von 127 Euro zu erhalten und einen Verlust zu vermeiden.

 



27.05.13 Dieser Artikel wurde 50674mal gelesen.