FRANKFURT/PARIS (dpa-AFX) - Die vorabendliche Präsentation des neuen iPhone X und anderer Apple -Produkte hat bei Anlegern nicht gerade Begeisterungsstürme ausgelöst. Am Mittwoch gerieten in der Folge auch einige Aktien von Zulieferern unter Druck. Aus der Reihe scherten hingegen die Anteilsscheine des Spezialanlagenbauers Aixtron . Dieser wird neuerdings von Börsianern als Profiteur der Apple-Manie gesehen. Die ohnehin schon seit Tagen im Aufwind befindliche Aktie zog noch einmal stark an.

In New York waren Apple-Papiere am Vorabend mit einem Minus von knapp einem halben Prozent aus dem Handel gegangen. Zuvor waren allerdings bereits einige Details der Geräte durchgesickert, weshalb Anleger Gewinne mitnahmen. Für Enttäuschung sorgte aber auch, dass das Gerät erst später als erhofft ausgeliefert werden soll. Analyst Steven Milunovich von der UBS bemängelte allerdings den höher als erwartet ausgefallenen Preis. Die US-Bank Keybac kritisierte, dass das Gerät keine zusätzlichen Funktionalitäten aufweise, die den Preis von 999 Dollar rechtfertigen könnten.

PAPIERE VON DIALOG SEMICONDUCTOR UNTER DRUCK

In Deutschland gaben die im TecDax notierten Anteile des wichtigen Apple-Zulieferers Dialog Semiconductor in diesem Sog noch stärker nach. Sie rutschten am Mittwochmorgen zeitweise um mehr als 3 Prozent auf bis zu 39,40 Euro ab. Zuletzt betrug das Minus noch knapp 1 Prozent. Aixtron hingegen verteuerten sich an der TecDax-Spitze um knapp 3 Prozent.

Wann immer Apple neue Produkte präsentiert, bewegt das in der Regel auch die Kurse seiner Zulieferer. Denn Börsianer machen eine einfache Rechnung auf: Je höher die voraussichtliche Nachfrage nach einem bestimmten Apple-Angebot, um so besser ist dies für die Lieferanten - oder eben umgekehrt.

Der Chiphersteller Dialog Semiconductor gilt als besonders abhängig vom Wohl und Wehe bei Apple, wie Analyst Amit Daryanani von RBC Capital in einer ersten Einschätzung betonte. Denn das Unternehmen mit operativem Sitz im britischen Reading und der Verwaltungszentrale in Kirchheim unter Teck (Baden-Württemberg) erzielt schätzungsweise 75 Prozent seiner Umsätze mit Apple. Wohl auch in Erwartung guter Nachrichten von Apple hatte die Dialog-Aktie in den Tagen vor der Präsentation noch zulegen können. Dialog liefert dem iPhone-Hersteller Chips, die den Energieverbrauch in dessen Geräten steuern.

AIXTRON-AKTIE IM AUFWIND

Der Spezialanlagenbauer Aixtron gilt wiederum als Ausrüster für die Apple-Zulieferer und könnte somit ebenfalls von einem regen Verkauf der Produkte aus dem Hause der Amerikaner profitieren. Denn das neue iPhone soll über einen 3D-Sensor zur Umfelderkennung verfügen. Der hierfür notwendige Laser wiederum wird von Kunden von Aixtron produziert.

Mit ihrem Anstieg am Mittwoch knüpfte die Aixtron-Aktie an einen äußert guten Lauf an. Seit Mitte August ist der Kurs um mehr als 50 Prozent nach oben geschnellt. Diese Euphorie beruht nach Einschätzung von Beobachtern auf einem voraussichtlichen Nachfrageschub für Anlagen für die Opto- und Leistungselektronik. Damit rechnet auch Analyst Janardan Menon vom britischen Broker Liberum: Die Begeisterung über neue Eigenschaften des iPhone wie 3D-Sensoren und Anwendungen zur Schaffung virtueller Realität werde eine breitere Anwendung solcher Technologien zur Folge haben. "Davon profitieren auch Zulieferer wie Aixtron und STMicroelectronics. Wir bleiben Käufer beider Aktien", schrieb der Experte. STMicroelectronics beliefert Apple ebenfalls mit Komponenten für das iPhone, der Aktienkurs des Chip-Herstellers gab jedoch in Paris um 1,5 Prozent nach.

AUCH EINFLUSS AUF MERCK-PAPIERE

Auch der Pharma- und Spezielchemiekonzern Merck KGaA gerät im Umfeld von Apple in den Fokus. Analyst Peter Verdult von der Citigroup stellte in einer aktuellen Studie vom Mittwoch heraus, dass von den Darmstädtern organische Leuchtdioden (OLED) kommen, die im neuen iPhone X Verwendung finden. Merck setzt große Hoffnungen auf die vielfach verwendbare Technologie, um rückläufigen Umsätzen im Flüssigkristallgeschäft künftig etwas entgegensetzen zu können. Merck-Aktien verteuerten sich zuletzt um knapp 1 Prozent./tav/bek/tos